Zwei Straßenkinder berichten

Erfahrungen mit den Straßenkindern im Januar 2020

Interessante Momente und Begegnungen gab es beim letzten Treffen mit den Straßenkindern, welches einmal im Monat in Nyalenda, einem slumartigen Stadtteil Kisumus, stattfindet. An beiden Abenden vor dem Treffen mobilisieren Alex und Felix in Kisumu die Straßenkinder gemeinsam und verteilen Zettel mit Zeitpunkt und Ort des Treffens an diese. Die Örtlichkeit ist ein kleines Restaurant einer kenianischen Frau „Mama“, die für die Kinder Chapati mit Bohnen zubereitet. Vor dem Essen finden persönliche Gespräche sowie die Sensibilisierung auf bestimmte Themen wie Hygiene oder die Konsequenzen von Drogenkonsum statt. Hierbei liegt der Fokus immer auf den jüngeren Straßenkindern im Alter von 7-14 Jahren, da diese noch weniger gefestigt in ihrer Entwicklung und deshalb mehr Unterstützung und Begleitung benötigen als Ältere. So hat Felix bei diesem Treffen sein Augenmerk besonders auf zwei Jungen gelegt.

Es ereignete sich, dass unsere Sozialarbeiter auf einen alten Bekannten trafen – Victor Otieno Omondi. Diesen lernten Johanna und Miriam bei ihrem Besuch im Februar 2019 auf der Straße kennen und verbrachten den Abend mit ihm. Er war eine Zeit lang von Kisumu verschwunden, da er mit einem Freund zusammen nach Nairobi ging. Dieser versprach Victor, dass er dort ein besseres Leben haben könnte. Nachdem sie allerdings in Nairobi ankamen, verließ er Victor. Verloren in der größten Stadt des Landes kämpfte er als Straßenkind um sein Überleben. Victor war stark – und biss sich durch. Er schaffte es, wieder nach Kisumu zu gelangen. Zwar war die Freude beim Wiedersehen mit Felix groß, aber Victor war so high vom Klebstoff, dass er es vermutlich gar nicht richtig wahrnehmen konnte. Sein Konsum hat seit einem Jahr deutlich zugenommen, vermutlich durch seine negativen Erfahrungen, die er in Nairobi gemacht hat und immer noch verarbeiten und bewältigen muss. Er ist sogar so abhängig davon, dass er davon nicht eine Sekunde ablassen kann. Das ist erschütternd und sehr traurig. Felix lässt ihn nicht aus den Augen und begleitet seine Wege weiterhin.

Durch das Veranstalten des Weihnachtsessens kam Felix auch mit Jeckton Anuna in Kontakt, den er bei diesem Treffen wiedersah. Er war sehr erfreut darüber, Felix zu treffen und entgegnete Felix offen. Er ist zwar nicht von Klebstoff abhängig, wird allerdings von anderen Straßenkindern seiner Base negativ beeinflusst. Häufig ist es nämlich so, dass die älteren Straßenkinder einer gesamten Base darüber entscheiden, ob alle Klebstoff schnüffeln oder nicht. Er ist der Gefahr ausgesetzt, durch sie in die Versuchung zu kommen, die Droge zu konsumieren, um so Zugehörigkeit auszustrahlen. Allerdings widersetzt er sich dem bisher, worin Felix ihn stark bekräftigt.

Die Situation der Straßenkinder in Kisumu verschlechtert sich allerdings tagtäglich. Durch die Einschreitungen der Polizei werden ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt. Denn die Polizei verjagt sie immer regelmäßiger aus dem Stadtkern (aufgrund der Verursachung eines negativen Stadtbildes), weshalb die Kinder flüchten und sich verstecken müssen. Außerhalb der Stadt wird es allerdings für die Kinder schwerer, Nahrung zu finden. Bei einer Verfolgung durch die Polizei ist Jeckton hingefallen und hat sich das Bein schwer verletzt. Da ihm das Laufen große Probleme bereitete und er sehr unter den Schmerzen litt, nahm ihn Felix mit zu sich nach Hause und kümmerte sich herzlich um ihn.

Diese Situation führt zu immer größeren Herausforderungen auch für unsere Sozialarbeiter, da sie so den Kontakt zu bereits bekannten Kindern verlieren bzw. ihn schwer halten können. So beeinflusst das auch die Mobilisierung für das monatliche Treffen – für die Sozialarbeiter ist es schwer, zu erahnen, wo die Kinder sich aufhalten. Wir bewundern Felix sehr für seinen Einsatz, sein Engagement und seine herausragende Arbeit vor Ort in Kisumu! Seine Tätigkeit ist überaus bedeutsam für diese Zielgruppe und zeigt Wirkung.